Unternehmerische Impulse in der Coburger Region

Messestand der Firma Brose 1924 (Firmenarchiv Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. Kommanditgesellschaft, Coburg)

Das Schlüsseljahr 1919

Der industrielle und wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland, der durch den Ersten Weltkrieg abrupt unterbrochen wurde, konnte nach Kriegsende nicht wieder aufgenommen werden. Stattdessen stagnierte die wirtschaftliche Entwicklung, bedingt durch die im Versailler Vertrag festgelegten Gebietsabtretungen und Reparationen, die die deutsche Wirtschaftskraft erheblich dezimierten. Die Umstellung von der Kriegs- zur Friedenswirtschaft kennzeichnete die frühen Jahre der Weimarer Republik und war begleitet von einer bewusst angeheizten Inflation zur Förderung des Wirtschaftswachstums. Diese Politik führte jedoch zur Hyperinflation im Jahr 1923 und verschärfte die wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland weiter.

 

Jungunternehmer gründen Firmen in Coburg

In dieser ökonomisch schwierigen Zeit gelang es im Jahr 1919 in Coburg, neue Unternehmen im Bereich der eisen- und metallverarbeitenden Industrie anzusiedeln, die bis heute das wirtschaftliche Bild der Stadt prägen. Den Anfang machte der Kaufmann Max Brose, der zusammen mit dem Chemiker Ernst Jühling das Coburger Metallwerk „Haußknecht & Co“ erwarb. Bereits zuvor hatte Brose 1908 in Berlin ein Unternehmen für Automobilzubehör gegründet und fand dort bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs gute Absatzmöglichkeiten. Angeregt durch Ernst Jühlings Vorschlag stieg Brose nach 1918 in die metallverarbeitende Industrie ein und legte mit dem Kauf von „Haußknecht & Co“ den Grundstein dafür. Unter der Marke „Atlas“ produzierte das Unternehmen ab den 1920er Jahren Automobilzubehör, darunter „Fenster-Kurbel-Apparate“.

Nur zwei Wochen nach der Ansiedlung von Brose gründete der aus München stammende Unternehmer Carl Kaeser in Coburg eine Maschinenbauwerkstatt. Auch er sah die Möglichkeit, von der Vestestadt aus am wachsenden Automobilmarkt teilzunehmen, indem er Ersatzteile, insbesondere Zahnräder, und Motoren herstellte sowie Kraftfahrzeugmotoren überholte. Die Produktion von Luftkompressoren und Kompressoranlagen begann erst nach dem Zweiten Weltkrieg und entwickelte sich zu einem Hauptprodukt der Firma. Die hohe Nachfrage führte 1961 zur Errichtung des heutigen Werks in Bertelsdorf.

Im November 1919 gründete der Siegener Adolf Waldrich die „Globuswerke“ in Coburg, zunächst in einer ehemaligen Transmissionswerkstätte. Die Firma reparierte Maschinen und stellte solche für die Glas- und Steinbearbeitung her. Das Unternehmen wuchs schnell und übernahm bereits 1924/25 die Metallfabrik Max Rautensberger, die später zur „Maschinenfabrik Adolf Waldrich“ umbenannt wurde. Ab 1930 konzentrierte sich das Unternehmen auf die Herstellung verschiedener Maschinen, darunter Blechpoliermaschinen, Zelluloidschneidemaschinen, Metall- und Langhobelmaschinen, und etablierte die Marke „Waldrich“.

Diese jungen Unternehmer, alle zwischen 30 und 35 Jahre alt, entschieden sich 1919 für die Selbstständigkeit und zeigten unternehmerischen Ehrgeiz und Mut. Ihre Betriebe standen 1930 auf einem stabilen wirtschaftlichen Fundament, das sie durch die Wirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre trug. Im Gegensatz zur Wirtschaftspolitik von 1919 konnten die hier vorgestellten Unternehmen langfristige wirtschaftliche Erfolge verzeichnen. Im Jahr 1982 beschäftigten die genannten Betriebe insgesamt 2680 Personen. Aufgrund ihrer internationalen Tätigkeit stieg die Zahl der Angestellten bis 2020 auf etwa 40.000 an.